K O R E A N B E A U T Y
Eine Laterne ist schöner, wenn eine Blume an ihr rankt. Ein Mädchen ist schöner, wenn es große Augen und eine ebene Nase hat. Um ihr Aussehen zu ver-bessern, unterzieht sich die Mehrheit südkoreanischer Frauen einer Schönheitsoperation.
Pragmatismus trifft auf Eitelkeit. Schlitzaugen wollen vergrößert, platte Nasen aufgerichtet werden. Da Südkoreaner in der Regel nicht nach größtmoglicher Indivi-dualitat, sondern größtmöglicher Konformitat streben, ist es nicht verwunderlich, dass es eine Reihe beliebter Nasen-Modelle gibt, aus denen man als Kundin wählen kann.
Das seit einigen Jahren dominierende diffus-westliche Schönheitsideal beschert Schön-heitschirurgen einen steten Fluss an neuer Kundschaft. Das Bedürfnis, anderen Menschen unbekümmert nachzueifern, erscheint dem deutschen Auge ebenso kurios, wie der teils skurril anmutende Fleiß, mit dem jeder verbliebene hässliche Fleck im öffentlichen Raum zu über-tünchen versucht wird.
Dokumentationen von vor-gefundenen Orten, an denen offensichtlich eine Verschönerungs-Aktion statt-gefunden hat, bilden eine Hälfte der aus Diptychen bestehenden Fotostrecke. Portraits von jungen Frauen, die im schicken Seouler Einkaufsviertel Karosu-gil nach der neuesten Mode und den Blicken der unzähligen Kaffeehaus-besucher gieren, komplettieren die Bildpaare. Zusammen zeigen sie, welche skurrilen Formen das gesellschaftliche Streben nach Makellosigkeit annehmen kann – was nicht passt, wird passend gemacht.